Klettern kennt keine Grenzen
Inklusive Routen in den vier DAV Verbundkletter- und Boulderzentren
Klettern lebt davon, dass jede:r den eigenen Weg nach oben findet. Doch manchmal stehen Barrieren im Weg – körperliche Einschränkungen, fehlende Erfahrung oder die Angst, nicht stark genug zu sein. Unsere Antwort darauf: inklusive Routen. Sie sind so geschraubt, dass wirklich alle mitmachen können – Menschen mit und ohne Handicap, Kinder wie Ältere, Anfänger:innen wie Profis.
Kleine Anpassungen, große Wirkung
Ein Meilenstein war die Routenbauschulung in Thalkirchen. Gemeinsam mit Expert:innen für inklusives Klettern hat unser Team Routenbau gelernt, wie kleine Änderungen Großes bewirken können: zusätzliche Griffe, eine zugängliche Routenführung, weniger „Showstopper“. So entstehen Wege, die motivieren statt frustrieren – und das macht sich in der Halle sofort bemerkbar: mehr Freude, mehr Sicherheit, mehr Gemeinschaft.
Was macht eine Route inklusiv?
- Einfacher Einstieg: Zusätzliche Griffe und Tritte in bequemer Höhe nehmen die erste Hürde.
- Keine Sackgassen: Plötzliche Schlüsselstellen werden vermieden.
- Mehr Optionen: Dichter gesetzte Griffe bieten verschiedene Lösungen.
- Moderate Wandneigung: Senkrechte oder leicht geneigte Flächen sind für viele zugänglich.
- Gute Sichtbarkeit: Farbkontraste erleichtern die Orientierung – besonders bei Seheinschränkungen.
So können Kinder, Ältere, Menschen mit Behinderung oder Anfänger:innen gemeinsam klettern – jede:r auf die eigene Art.
Wer profitiert?
Inklusive Routen sind nicht „nur“ für Menschen mit Handicap gedacht. Sie machen Kindern Spaß, geben Neulingen Sicherheit, ermöglichen Älteren entspanntes Klettern – und selbst erfahrene Kletter:innen nutzen sie gerne zum Aufwärmen oder Techniküben.
- Menschen mit Handicap finden passende Einstiege und alternative Griffmöglichkeiten.
- Kinder profitieren von kleineren Abständen und spielerischem Zugang.
- Ältere Menschen genießen moderate Bewegungen und große Griffe.
- Anfänger:innen sammeln sichere Erfolgserlebnisse.
- Reha-Sportler:innen trainieren schonend nach Verletzungen.
Kurz: Von inklusiven Routen hat die gesamte Kletter-Community etwas.
Praxis aus unseren Hallen
In Gilching läuft seit einigen Jahren das Projekt mItklettern. Dort trainieren Menschen mit und ohne Behinderung regelmäßig Seite an Seite. Inklusive Routen sind fest markiert, zusätzlich wurden bei Events wie dem Oberlandcup extra Inklusions-Boulder geschraubt.
Auch Aktionstage mit Parakletter:innen haben gezeigt: Vielfalt an der Wand schafft Gemeinschaft. Es macht einen Unterschied, wenn alle an denselben Routen starten können – ganz ohne Sonderklasse.
Inklusive Routen als Teil der Hallenkultur
Damit Inklusion nicht als Sonderfall wirkt, sondern selbstverständlich wird, braucht es einige Bausteine:
- Verteilung im ganzen Hallenbereich: Inklusive Routen hängen nicht in einer „Sonder-Ecke“, sondern mitten unter allen anderen.
- Klare, positive Kennzeichnung: Das spezielle Icon auf unseren Routenschildern zeigt inklusive Routen auf einen Blick – sichtbar für alle, ohne jemanden auszugrenzen.
- Regelmäßiges Umschrauben: Auch inklusive Routen werden im normalen Rhythmus gewechselt.
- Sensibilisiertes Personal: Mitarbeiter:innen sollten die Routen kennen und aktiv empfehlen.
- Kommunikation nach außen: „Bei uns kann jede:r klettern“ – wer das klar vermittelt, senkt die Hemmschwelle.
So werden inklusive Routen zum natürlichen Bestandteil der Halle – und nicht zu einer Randerscheinung.
Orientierung leicht gemacht
Damit die inklusiven Routen schnell gefunden werden, sind sie in allen vier DAV Verbundkletter- und Boulderzentren – München-Thalkirchen, Freimann, Gilching und Bad Tölz – gekennzeichnet. So erkennt man auf einen Blick, wo barrierearme Einstiege und durchdacht geschraubte Wege hängen – und kann direkt loslegen.
Fazit
Inklusiver Routenbau kostet zwar ein paar Griffe mehr – doch er bringt ein Vielfaches zurück: mehr strahlende Gesichter in unseren Hallen, mehr Miteinander, mehr Kletterspaß für alle.
Unser Ziel ist klar: In allen vier Verbundhallen soll jede:r das Gefühl haben, willkommen zu sein. Denn am Ende zählt nur eins: der Moment, wenn man oben ankommt – egal, auf welchem Weg.



































